Wenn heiße Wachslinien Geschichten erzählen – Unser Batik-Workshop in Sri Lanka
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Wenn heiße Wachslinien Geschichten erzählen – Unser Batik-Workshop in Sri Lanka

Winter Europa. Sommer in Sri Lanka. Wir tauchen ein in die tropische Wärme von Süd-Sri-Lanka – und in eine Kunst, die uns schon einmal verzaubert hat.

Ihr kennt vielleicht unsere Geschichte vom Hanffeld, wo wir bei den Hmong-Bergvolk-Frauen in Thailand die Kunst des Batik gelernt haben. Damals saßen wir zwischen Hanfpflanzen und lernten, mit heißem Wachs Muster auf Stoff zu zeichnen. Es war ein magischer Moment: Wir haben die Handwerkskunst der Hmong kennengelernt – einer Kultur, die die Marke virblatt maßgeblich geprägt hat, weil sie uns geprägt hat.

Als wir das Angebot von Jez-Look Batiks auf unserer Reise gesehen haben, wussten wir sofort: Das ist eine Kunst, die wir auch unseren Kindern zeigen möchten.

Eine Frau, die niemals aufgibt

In einer unscheinbaren Straße in Matara finden wir Jez-Look Batiks. Von außen nur ein Haus, von innen eine Schatzkammer voller Farben, Stoffe und Geschichten. Und mittendrin: Jezima Mohammed, über 80 Jahre alt, mit ihrer inspirierenden Geschichte.

Sie macht das seit fast 70 Jahren, ihre Mitarbeiterinnen sind teilweise von Anfang an dabei. Die Mitarbeiterinnen sind Teil ihrer Familie – eine Familie, die alle Zeiten miterlebt hat. Auch Zeiten, in denen Touristen wegen des Bürgerkriegs oder der Pandemie ausblieben.

Die Tiefe hinter der Oberfläche

Während Jezima uns ihre Geschichte erzählt, beginne ich zu verstehen, was ich auf Reisen immer wieder erlebe: Man kratzt nur an der Oberfläche einer Kultur, wenn man nur guckt, fotografiert, weiterzieht. Aber wenn man sich Zeit nimmt. Wenn man fragt. Wenn man wirklich zuhört und seine Aufmerksamkeit schenkt – dann öffnen sich Türen zu etwas viel Größerem.

Wir hätten einfach einen Workshop buchen können. Ein paar Stunden heiße Wachs-Action, ein schönes Souvenir, weiter zum nächsten Spot. Stattdessen sitzen wir hier mit einer Frau, die uns zeigt, was Durchhaltevermögen bedeutet. Was es heißt, seiner Leidenschaft treu zu bleiben. Was es bedeutet, Verantwortung für andere zu übernehmen – selbst wenn die Zeiten hart sind.

Wir werden auf ein Mittagessen eingeladen, und ihr Bruder, der zu Besuch ist und mit uns das leckere Curry isst, hat eine ebenso interessante Lebensgeschichte, die ihn in die USA gebracht hat und nun wieder zurück in die Heimat, zu seiner Familie führen wird.

Der Workshop: Mehr als Technik

Als wir selbst zu den Werkzeugen greifen, spüre ich die Verbindung zur Batik-Erfahrung bei den Hmong-Frauen. Dieselbe Kunst, anderes Land, andere Geschichten – und doch dasselbe Prinzip: Geduld, Präzision, Hingabe. Die Kupferstifte müssen in heißes Wachs getaucht werden, dann zeichnet man damit die Muster auf den Stoff. Dann kommt die Farbe, dann das Auswaschen des Wachses in kochendem Wasser. Schicht für Schicht entsteht ein Design.

Unsere Kinder sind fasziniert von dem Prozess. Sie verstehen intuitiv, dass hier etwas Besonderes passiert – etwas, das Zeit braucht, das nicht mit einem Klick fertig ist. In einer Welt, die immer schneller wird, ist Batik ein Statement: "Ich nehme mir die Zeit, die es braucht, mein Kunstwerk zu schaffen."

Die Herausforderung: Schicht für Schicht zur Vielfalt

Der große Unterschied zu unserer Erfahrung bei den Hmong: Hier arbeiten wir nicht mit einer Farbe. Hier geht es um mehrere Farben, Komplexität.

Jezima erklärt uns den Prozess: Man beginnt mit der hellsten Farbe und arbeitet sich Schritt für Schritt zu den dunkelsten vor. Erst zeichnet man mit heißem Wachs die Bereiche, die weiß bleiben sollen. Dann kommt das erste Farbbad – meist Gelb oder ein helles Blau. Trocknen lassen. Dann wieder Wachs auftragen, diesmal auf die Bereiche, die diese Farbe behalten sollen. Nächstes Farbbad, etwas dunkler. Und so weiter.

Mit jeder Schicht wird das Muster komplexer. Die Farben mischen sich übereinander, neue Töne entstehen. Am Ende, nach mehreren Durchgängen, kann man unglaublich vielfältige Muster schaffen – von zarten Pastelltönen bis zu tiefen, satten Farben in einem einzigen Stück Stoff.

Das macht ihre Kleidung einzigartig. Kein Stück ist wie das andere. Jedes trägt die Handschrift der Person, die es gemacht hat, die Entscheidungen, die sie getroffen hat, die Zeit, die sie investiert hat.

Alternative Kleidung mit Seele

Wir lieben alternative Kleidung, die nicht nur Mainstream bedient. Kleidung, die so vielfältig und einzigartig ist wie die Menschen, die sie tragen. Genau wie bei Batik – jedes Stück ist anders, jedes Muster erzählt seine eigene Geschichte.

Für uns ist das spirituelle Kleidung im ursprünglichen Sinne: Kleidung, die eine Seele hat, die dich mit etwas Größerem verbindet. Die die Energie der Menschen trägt, die sie gemacht haben. Die Respekt zeigt für Handwerk, Tradition und die Zeit, die in sie geflossen ist.

Bei virblatt arbeiten wir mit derselben Idee: Mode mit Bedeutung. Kleidung, die fair produziert wird, die traditionelles Handwerk respektiert, die eine Verbindung schafft zwischen dem Träger und den Menschen, die sie gemacht haben.

Die Lektion

Jezima plant, bis zum Ende weiterzumachen. "Ich werde so lange weitermachen, bis ich nicht mehr kann."

Das ist die Botschaft, die wir mitnehmen: Tu, was du liebst. Bleib dran, auch wenn es schwer wird. Kümmere dich um die Menschen um dich herum. Gib nicht auf.

Eine ebenso wichtige Erkenntnis für uns: Wenn du reist, kratz nicht nur an der Oberfläche. Red mit den Menschen. Frag nach ihren Geschichten. Sei neugierig. Hör zu. Dann lernst du wirklich etwas. Dann passiert echte Verbindung.

Batik lehrt uns, dass die schönsten Muster entstehen, wenn man Schicht für Schicht arbeitet. Mit Geduld. Mit Hingabe. Mit der Gewissheit, dass es sich lohnt.

Sthuthi (ස්තූතියි),
Euer virblatt-Team